- Die Christengemeinschaft | Michael-Kirche

Gemeindebrief

Editorial

Vorhaben und Veranstaltungen

Für Kinder

Editorial


Liebe Gemeinde,

der Frosch hat zu Unrecht den Ruf, unappetitlich zu sein. Im Märchen soll die Königstochter sich liebevoll um ihn kümmern und ekelt sich so sehr vor ihm, dass sie ihn schließlich an die Wand wirft. Dass er ein wertvolles, unverzichtbares Wesen ist, hätte sie aber schon vorher bemerken können, denn er hat die Fähigkeit, aus der Tiefe das Gold zu holen, das die Königstochter versehentlich hineinfallen ließ. Um das Scheitern der Menschenseele wieder auszugleichen, braucht es ein Amphibium: ein Wesen, das zwar vielleicht etwas unansehnlich ist, das sich aber zwischen den Welten, zwischen Abgrund und Höhe bewegen kann.

Als kleines Kind haben wir ein sehr sachliches Verhältnis zum Scheitern: Wenn wir laufen lernen, fallen wir unzählige Male hin, tun uns weh – und im nächsten Moment stehen wir wieder auf, versuchen es erneut, und fallen wieder hin. Ohne es zu reflektieren, nehmen wir das Scheitern als selbstverständlichen Teil unserer Entwicklung hin. Dass wir schließlich sicher durchs Leben gehen, gelingt uns deshalb, weil wir leben lernen mit diesem Gegensatz – einerseits: ich habe es gelernt, ich kann laufen; andererseits: ich muss auch später im Leben damit rechnen, dass ich mal hinfalle.

Einen ähnlich kühnen Gegensatz leben wir, wenn wir uns vor dem Altar versammeln und zunächst sagen: „Lasset uns die Menschenweihehandlung  würdig vollbringen“, und wenn dann etwas später mit der gleichen Selbstverständlichkeit gesagt wird, dass diese Feier „…durch mich, Dein  unwürdiges Geschöpf…“ vollbracht wird. Manchem stößt es auf, dass wir da als unwürdig bezeichnet werden, und wenn es so einseitig bliebe, könnten wir uns nur noch verkriechen und resignieren.

Mit derselben Berechtigung, mit der man sich empören kann, dass wir uns zum „unwürdigen Geschöpf“ degradieren, könnten wir nach der Ankündigung, diese Feier „würdig“ vollbringen zu wollen, die Kerzen löschen und die Handlung beschämt abbrechen. Denn gemessen an unseren menschlichen Fähigkeiten bleibt jede Weihehandlung unvollkommen. Dass wir trotzdem am Schluss sagen: „Das war sie“ (und nicht etwa: „Hoffentlich war sie das…“), ist ja nur deshalb möglich und berechtigt, weil die himmlische Welt ergänzt und erfüllt, was von uns noch lückenhaft und unvollständig bleibt.

Es stimmt eben beides: Wir sind Menschen, und als solche sind wir würdig, uns Gott zuzuwenden – und im gleichen Moment sind wir ganz am Anfang, wir lernen gerade erst den aufrechten Gang.

Wir sind Amphibien: Nicht alles an unserem Wesen erscheint schon liebenswert, manches finden wir an uns selbst so unschön, dass wir es am liebsten aus der Welt schaffen würden. Aber gerade weil wir in unserem Wesen Unvollkommenheiten und Untiefen haben, sind wir in der Lage, in die Tiefe zu gehen, um dort unten das verlorene Gold zu finden und in die Höhe zu tragen. Diesen Vorgang nennt man Gottesdienst, oder eben: Menschenweihehandlung.

Unsere Würde ist kein Besitz, auf den wir Anspruch erheben können. Unsere Würde ist aber auch keine unerreichbare Illusion wie eine Möhre vor dem Maul eines Esels. Wir sind würdig, weil uns bewusst ist, dass wir noch längst nicht die volle Würde erreicht haben. Wir können das Gold in die Höhe tragen, weil wir die Dunkelheit am Grund des Brunnens kennen. Dass wir Amphibien sind, also Wesen, die sich zwischen polaren Welten bewegen, ist selten so offensichtlich wie an der Grenze zwischen Passion und Ostern.

Für das Leben in dieser geschenkten Würde und für das Tauchen nach verlorenem Gold wünsche ich uns allen den nötigen Mut!

Ihr

Claudio Holland

Vorhaben und Veranstaltungen


Yellow Line – Aufführung der Jugend-Theatergruppe

Die Satire „Yellow Line“ ist ein modernes Theaterstück, geschrieben von den Autorinnen Juli Zeh und Charlotte Roos. In 19 kurzlebigen Szenen wird der Zuschauer auf humoristisch-absurde Weise an das Erleben und Durchleiden verschiedenster Charaktere herangeführt, die erst im Laufe des Stückes ihre Verbindung zueinander enthüllen. Es wird ein Netz von Einzelschicksalen gesponnen, die uns in ihrem ausschnitthaften Charakter vor Augen führen, wie in unserer heutigen Zeit mit Freiheit und Würde und der Bereitschaft, diese zu opfern umgegangen wird. Aktuelle Zeitthemen wie Massentierhaltung, Überwachungssysteme, Ein- und Ausgrenzung durch Mauern oder Zäune, Flüchtlingsthematik bis hin zu Wohlfühl- und Prostitutionsgesellschaft durchziehen diese Komödie, die mit einer Erzählung über eine aus dem Himmel herabfallenden Kuh ihren Anfang nimmt.

Die Aufführung ist am Freitag, 2. Juni, 20:00 Uhr in unserem Gemeindesaal.

Gestalt und Atem unseres Weiheraumes seit Weihnachten

Erfahrungen, Ausblick, weitere Schritte

Seit Weihnachten leben wir mit einer neuen Anordnung der Stühle im Weiheraum, die wir beim Gemeindeabend am 27. Oktober gemeinsam entwickelt hatten. Damals kündigten wir an, nach etwa einem halben Jahr wieder zusammen zu kommen und uns auszutauschen, welche Erfahrungen mit dieser neuen Gestaltung gemacht wurden. Am Donnerstag, dem 8. Juni um 20:00 Uhr, laden wir Sie ein, miteinander darüber ins Gespräch zu kommen. Dann können wir auch über weitere Ideen sprechen, die schon beim ersten Abend kurz geäußert wurden, wie man den Kirchenraum so gestalten kann, dass wir als Gemeinde räumlich und akustisch noch näher am Geschehen sind.

Arnold Lansing • Claudio Holland

Sommerkurs "Morgenröte und Sonnenaufgang"

Die Sakramente sind durch Christus gestiftet worden. Und doch finden sich Vorformen schon früher: im Alten Testament so gut wie in der „heidnischen“ Antike. Christus ist niedergestiegen auf die Erde, und schon vor seiner Inkarnation hat sich ein Vorglanz seines Lichtes in der Menschheit gezeigt. Die Donnerstage in den Sommerferien geben Raum, um das Christuswirken in den Feiern des Lebenslaufs nachzuzeichnen.

Frank Hörtreiter

Für Kinder


Christi-Himmelfahrt – Sonntagshandlung unter freiem Himmel

auf dem Rodelberg in Grasdorf/Laatzen

Im letzten Jahr, als auf dem Platz vor unserer Michael-Kirche am Himmelfahrtstag die Luftballons in den Himmel aufstiegen, entstand die Idee, an einem solchen Tag einmal mit allen Kindern die Sonntagshandlung unter freiem Himmel zu feiern. Ein geeigneter Ort hat sich in erreichbarer Nähe gefunden: der Rodelberg in Laatzen. Dort treffen sich alle Eltern, Kinder, Großeltern – kurz, alle, die gern daran teilnehmen möchten, gegen 12.00 Uhr zur Sonntagshandlung mit anschließendem Fest mit Luftballons… Das Fest findet auch bei Regen statt! (Dann muss nur die Kleidung entsprechend passend sein.) Wer mag, kann gern etwas für ein gemeinsames anschließendes Picknick mitbringen.

Wegbeschreibung: Wenn man in südlicher Richtung auf der > Hildesheimer Straße stadtauswärts fährt, geht nicht weit hinter dem „aquaLaatzium“ rechts eine kleine Straße ab, der > Peterskamp. Dort fährt man ein kurzes Stück, so lange man darf, und parkt dort das Auto. Geradeaus geht es weiter in den Peterskamp hinein, vorbei am Sportplatz des VfL Grasdorf e.V., bis rechts der > Quetzenbleek abgeht.Dann steht man vor dem so genannten Rodelberg, einer schönen kleinen Erhebung, umgeben von schützenden Büschen und Bäumen. Dort oben werden wir einen Altar errichten und alle Kinder wie gewohnt mit einer kleinen Einstimmung empfangen.

Arnold Lansing • Claudio Holland